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Der Schulungsweg
1. Welche Gründe führen Menschen auf einen geistigen Schulungsweg?
2. Geistige Schulungswege in der Vergangenheit
3. Das Menschenbild im Yoga aus der Reinheit der Seele
4. Das Training der Seelenkräfte
5. Welche Auswirkung hat eine Seelenübung auf uns und auf unsere Umgebung?
6. Stärkung der Lebenskräfte
7. Wirkung einer Seelenübung auf die geistige Welt
8. Die schöpferische Aktivität des Menschen
9. Die Konzentration
10. Praktische Ausführung einer Konzentrationsübung
11. Das Ziel des Schulungsweges
Viele Menschen suchen im Leben nach Befriedigung und Erfüllung in ihrer Arbeit, ihrer Partnerschaft, in ihrer Beziehung zu ihren Kindern, in freundschaftlichen Beziehungen, im Unternehmen von interessanten Reisen, in materiellen Werten wie einem schönen Auto, einem eigenen Haus etc. Kann dies nicht mehr ganz zufrieden stellen und beschäftigt einen vielleicht die Frage nach dem Sinn des Lebens, so beginnt man nach anderen Dingen zu suchen. Man geht eventuell auf psychologische oder esoterische Veranstaltungen oder Seminare und interessiert sich für spirituelle Literatur.
Manche Menschen führt auch eine schwere Krankheit, eine Trennung oder ein anderer Krisenzustand in ihrem Leben an einen Punkt, an dem sie sich neu orientieren möchten.
Der Yoga aus der Reinheit der Seele ist ein zeitgemäßer Schulungsweg, der von Heinz Grill begründet wurde. Die nun folgenden Darstellungen sollen zeigen, wie dieser Schulungsweg in der Praxis aussehen kann und welches Ziel er verfolgt. Zu Beginn soll jedoch noch ein kurzer Blick in die Vergangenheit gerichtet werden.
Geistige Schulungswege können wir weit in der Geschichte zurück verfolgen. Es gab bereits bei den Griechen und Ägyptern geistige Schulungen oder Einweihungswege. Eine bekannte griechische Einweihungsschule war die des Pythagoras. Auch die Rosenkreuzer-Schulung, die ungefähr im 13. Jahrhundert ihren Ursprung hat und bis in die heute Zeit hineinreicht, war und ist eine bekannte Einweihungsschule. Goethe war einer der bekanntesten Rosenkreuzer. Zu diesen Zeiten war eine Schulung nur für bestimmte, vorbereitete Menschen möglich und sie geschah auch mit einem Rückzug aus dem normalen Leben mit Familie und Beruf. Das Wissen über geistige Gesetzmäßigkeiten wurde in mündlicher Form weitergegeben. Es erfolgte meist auch eine Energieübertragung vom Lehrer zum Schüler oder vom Bischof zum Priester. Seit dem Leben und Wirken des eingeweihten Lehrers Rudolf Steiner, dem Begründer der Anthroposophie, ist dieses Wissen über geistige Gesetzmäßigkeiten in Buchform jedem Menschen zugänglich.
Gemäß dem Menschenbild von Heinz Grill besteht der Mensch aus Körper, Seele und Geist. Mit dem Körper ist unser tatsächlicher physischer Körper gemeint. Unter Seele wird im Sprachgebrauch oftmals der persönliche Gemütszustand verstanden, indem wir uns gerade befinden, d.h., ob es uns gut oder schlecht geht. Im Yoga aus der Reinheit der Seele wird dieser Begriff nun anders definiert. Die Seele besteht gemäß diesem Menschenbild aus drei seelischen Kräften. Es sind dies das Denken, das Fühlen und der Wille. Diese drei Seelenkräfte werden anhand von Yogaübungen, Seelenübungen und dem Studium von meditativen Texten bewusst trainiert, geschult und gestärkt.
Der Geist wird im Sprachgebrauch oftmals mit dem Denken gleichgesetzt. So sagt man manchmal: „Ich fühle mich heute geistig nicht so fit.“ In diesem Yoga wird der Geist hingegen als etwas Unwägbares, Unnennbares, als ein Mysterium bezeichnet. Der Geist kann sich in anspruchsvollen religiösen Schriften, wie es z.B. die Evangelien sind, ausdrücken. Auch in der Bhagavad Gita, die als die „Bibel der Hindus“ bezeichnet wird, lebt Geist. In diesen Schriften werden Gesetzmäßigkeiten, die in der geistigen Welt Bestand haben, ausgedrückt. Für die meisten Menschen sind die Gedanken in anspruchsvollen geistigen Schriften anfangs vollkommen fremd. Sie bedürfen deshalb einer langen und wiederholten Auseinandersetzung, bis sie langsam in ersten Schritten nachvollzogen und eigenständig verstanden werden können. Es kann dies mit dem Erlernen einer Fremdsprache verglichen werden. Erst durch das wiederholte Studium der Vokabeln und der Grammatik wird uns eine fremde Sprache langsam vertrauter.
Das Training der Seelenkräfte
Da gerade das Training der Seelenkräfte auf diesem Schulungsweg von besonderer Bedeutung ist, soll dies noch näher beschrieben werden. Die Seele besteht gemäß diesem Menschenbild aus den Seelenkräften des Denkens, Fühlens und des Willens. Wie diese Kräfte nun praktisch trainiert werden können, kann an dem folgenden Beispiel gesehen werden.
Nehmen wir an, wir betrachten für 5-10 Minuten eine Rose. Wir betrachten die Größe, die Farbe, die Struktur des Stengels und der Blätter. Wir nehmen die Form und Beschaffenheit der Blüte genau wahr, registrieren ob die Rose duftet oder nicht, etc. Wir versuchen die Aufmerksamkeit, d.h. unsere Gedanken ganz bei der Rose zu lassen und diese so genau wahrzunehmen, wie sie tatsächlich vor uns steht.
Die meisten Menschen werden bemerken, dass dies eine große Anforderung für sie darstellt, da die Gedanken oftmals bereits nach kurzer Zeit abschweifen. Es kommt uns vielleicht in den Sinn, wann wir das letzte mal eine Rose geschenkt bekommen haben, dass die Nachbarin, die gleiche Sorte von Rosen angepflanzt hat, etc. Wir werden wahrscheinlich bemerken, dass sich in die Betrachtung, Erinnerungen, Wünsche, Sehnsüchte etc. hineinmischen können. Würde uns die Seelenkraft des Denkens vollkommen frei zur Verfügung stehen, so könnten wir für die vorgenommene Zeit unsere Gedanken vollständig auf die zu betrachtende Rose lenken.
Heinz Grill hat für dieses Training der Seelenkräfte in seinem Buch „Yoga und Christentum“ sechs Seelenübungen beschrieben, es sind dies
- Die Weisheitskräfte im Leben und die elementare Sinnesbedeutung einzelner Pflanzen
- Die Konzentration
- Das rechte Urteil
- Die Entwicklung eines praktischen Denkens
- Die Hingabebereitschaft mit dem Körper
- Das rechte Lesen.
Die oben genannte Betrachtung der Rose würde unter die Seelenübung der „Weisheitskräfte“ fallen.
Welche Auswirkung hat eine Seelenübung auf uns und auf unsere Umgebung?
Wir können uns nun die Frage stellen, warum wir dieses Training der Seelenkräfte eigentlich machen sollen. Was bringt es uns, wenn wir für fünf Minuten unsere Gedanken ganz auf eine Rose richten können?
Durch eine ruhige und aufmerksame Betrachtung wird das Denken geordneter und zentrierter. Dadurch werden auch die Emotionen und die Atmung, die nahe mit unserem Denken in Verbindung stehen, ruhiger. Durch das ruhigere Denken und Atmen entspannt sich zunehmend auch die Muskulatur des Körpers. Sie können beobachten, dass zu Beginn einer Seelenübung die Muskulatur im Nacken- und Schulterbereich oftmals angespannt ist. Dies können Sie auch spüren, wenn die Schultern leicht hochgezogen sind. Nach einer solchen Betrachtungsübung ist in der Regel die Muskulatur entspannter und die Schultern sinken gelöster zurück.
Indem wir uns nun in einem konzentrierteren Zustand befinden, wirken wir auch konzentrierter auf unsere Umgebung. Wie kann dies aussehen? Nehmen wir an, wir treffen uns mit einem Freund. Dieser hatte vielleicht Ärger in der Arbeit oder in der Familie und er wirkt zerstreut. Im Gespräch bemerken wir, dass er von einem Thema zum anderen springt, d.h. er ist nervös und kann kaum für einen längeren Zeitraum bei einem Gedanken bleiben. Sind wird nun selbst geordnet und zentriert, so wird auch der Freund mit der Zeit ruhiger werden.
Oder wir begegnen der Nachbarin, die aus einen bestimmten Grund ärgerlich auf uns ist und uns auch dementsprechend emotional begegnet. Normalerweise würden wir uns vielleicht von dieser Emotion mitreißen lassen und ebenso ärgerlich reagieren. Indem wir nun ruhig und konzentriert der Nachbarin begegnen und ihre Argumente anhören, ist es möglich, dass wir durch unsere eigene Ruhe und unserer klareren Übersicht besser nach einer Lösung des Konflikts suchen können.
Auch an unseren Haustieren können wir unsere eigene Verfasstheit beobachten. Sind wir selbst nervös und zerstreut, so wird auch die Katze oder der Hund nervöser als sonst reagieren.
Durch eine aufmerksame Betrachtung, z.B. die der Rose, stärken wir ganz erheblich unser Gedächtnis. Alles was wir mit einem aufmerksamen Gedanken betrachten, können wir uns auch besser merken. Probieren Sie doch dieses Beispiel mit der Rose untertags einmal aus. Am Abend bevor Sie ins Bett gehen erinnern Sie sich noch einmal kurz an ihre Betrachtung. Wenn Sie dann am nächsten Tag aufstehen, werden Sie überrascht sein, wie konkret Sie sich noch an die Rose erinnern können.
Unser Gedächtnis ist auch ein Ausdruck unserer Lebenskraft. Kinder, die in der Regel noch eine gute Lebenskraft besitzen, haben bekanntlich ein besseres Gedächtnis als ältere Menschen. Die Lebenskraft drückt sich neben der Gedächtniskraft auch in einem stabileren Nervensystem aus. Innere Unruhe, nervöse Reizzustände, auch Schwierigkeiten mit dem Schlaf, können durch eine stärkere Lebenskraft eine Verbesserung erhalten.
Solche einfachen Betrachtungsübungen haben aber nicht nur auf uns selbst und unsere Umgebung eine Wirkung. So schreibt Heinz Grill in seiner Broschüre Die geistige Bedeutung des Zitronenbaumes: „Diese Seelenübung ist wie ein Dienst an der Natur, aber auch wie ein Dienst an der gesamten Weltschöpfung zu verstehen. Die Schöpfung kann sich regelrecht erfreuen und erhellen, wenn wir eine Übung auf bemühte Weise vollbringen. Nicht sogleich das Ergebnis ist ausschlaggebend, das wir ernten, nicht sogleich muss ein unmittelbarer Erkenntnisgewinn hereintreten, wenn wir diese Übung rhythmisch verfolgen. Wichtig ist es, dass wir von uns selbst Abstand nehmen können und in größerem, steigenden Interesse uns den verschiedenen Beispielen des Übens hinwenden. Indem wir auf diese Weise tätig sind, gewinnen wir früher oder später tiefere Eindrücke und werden bald einen kleinen Funken der Erkenntnis aufleuchten spüren.“
Die schöpferische Aktivität des Menschen
Ein Ziel dieses Schulungsweges ist es, die schöpferische Aktivität des Menschen zu entfalten. Die schöpferische Aktivität beginnt immer mit einem Gedanken. Wir können z.B. einen Spaziergang unternehmen mit dem Gedanken, die Natur bewusst mit den Sinnen wahrzunehmen. Wir können bewusst die verschiedenen Untergründe wahrnehmen auf denen wir gehen, wie z.B. Teer, Kies, Sand, Gras oder Waldboden. Auch können wir die Temperatur über die Sinnesempfindung der Haut wahrnehmen. Wir können spüren, ob die Luft trocken oder feucht ist. Wir können die Aufmerksamkeit auf das Hören lenken und bewusst die Geräusche in der Natur wahrnehmen, das Zwitschern der Vögel, entfernte Stimmen, das Rauschen eines Baches etc. Wenn wir uns so bewusst in der Natur bewegen, können wir vielleicht bemerken, dass die uns umgebende Atmosphäre ruhiger wird.
Die Konzentration
Dieses schöpferische Tätigsein wird intensiviert, wenn wir uns mit einem spirituellen, imaginativen Gedanken beschäftigen. Im Yoga aus der Reinheit der Seele wird dies als Konzentration bezeichnet. Die Imagination ist eine Gesetzmäßigkeit, die in der geistigen Welt besteht und die uns von einem spirituellen Lehrer, der einen Einblick in diese Welt hat, mitgeteilt wird. Da wir in der Regel als „normale“ Menschen keinen Zugang zu den geistigen Welten besitzen, bedarf es einer längeren und wiederholten Auseinandersetzung mit diesem Gedanken, bis wir sie langsam selbst verstehen können. Auf diesem Schulungsweg dienen im Wesentlichen neben den Schriften von Heinz Grill die Literatur von Rudolf Steiner und Sri Aurobindo.
Dass diese Gedanken nicht einfach übernommen werden, sondern eigenständig erforscht werden sollten, war auch in der Schule von Pythagoras bekannt. So schreibt Rudolf Steiner in „Pfade der Seelenerlebnisse“, dass in dieser alten griechischen Mysterienschule eine ständige Redensart war: „Der Meister hat es gesagt.“ Dies bedeutete jedoch niemals: „Der Meister hat es gesagt, also glauben wir es.“ – Sondern es bedeutete bei seinen Schülern etwa folgendes: „Der Meister hat es gesagt, also ist es für uns eine Aufforderung, darüber nachzudenken. Wir werden sehen, wie weit wir damit kommen, wenn wir unsere Kräfte in Bewegung setzen...“
So können wir für eine Konzentrationsübung, um am Beispiel der Betrachtungsübungen mit der Rose zu bleiben, den imaginativen Gedanken von Heinz Grill aus „Der Archai und der Weg in die Berge“ hinzunehmen:
„Einer der bedeutungsvollsten Schritte zu einem Heilwerden des menschlichen Daseins liegt in der Ausprägung einer bewussten, aktiven Aufmerksamkeit. In dieser scheinbar so einfachen Disziplin liegt ein bewussteres Schauen, ein reineres In-Beziehung-Treten zu den Bildern der Natur und den Erscheinungsformen des Daseins. Den unruhigen, oberflächlich vorübergleitenden Sinnen wird die willentliche Führung zur ruhigen, sorgfältigen und gedanklich vortrefflichen Betrachtung auferlegt.“
Praktische Ausführung einer Konzentrationsübung
Für die Konzentration setzen wir uns an einen ruhigen Ort. Wir sitzen entweder im halben Lotus, im Schneidersitz, oder Fersensitz und richten die Wirbelsäule vom Kreuzbein her auf, da wir dadurch die gedankliche Aufmerksamkeit besser bewahren können. Wir entspannen die Schultern, den Nacken und die Haut des Gesichtes. Nach dieser äußeren Beobachtung der Körpers, lenken wir die Aufmerksamkeit auf die Atmung. Wir beobachten für 1-2 Minuten ruhig das Kommen und Gehen der Atmung ohne in deren eigenen Rhythmus einzugreifen.
Nach dieser Vorbereitung, die ca. 2-3 Minuten dauert, können wir beginnen, den ausgewählten imaginativen Gedanken für 10-15 Minuten zu betrachten. Bildhaft können wir uns dies so vorstellen, als wenn der Gedanke auf einer Tafel stehen würde und wir den Gedanken nur bewusst wahrnehmen. Heinz Grill beschreibt, dass ein eigenständiges Verstehen eines imaginativen Gedankens bestimmten Rhythmen unterliegt. Nach 3 Tagen der Betrachtung entsteht ein erster näherer Bezug und nach 6 Tagen ist die Beziehung zu diesem Gedanken noch stärker geworden und es ist vielleicht möglich, dass sich bei uns auch eine Empfindung einstellt über die Richtigkeit des Gedankens.
Wir können uns mit spirituellen Gedanken der unterschiedlichsten Lebensbereiche wie Beziehung, Ernährung, Natur, Medizin etc. beschäftigen. Gemäß dem eigenen Verstehen werden diese Gedanken auch das eigene Leben erweitern und bereichern.
In dem Buch „Die Orientierung und Zielsetzung des Yoga aus der Reinheit der Seele“ S. 11-12, beschreibt Heinz Grill u.a. das Ziel seines Schulungsweges wie folgt:
„Jene Freiheit, die auf dem Wege entsteht und am Ende dominieren soll, ist von einer ganz anderen Leuchtkraft als jene, die am Anfang besteht. Der Übende bleibt in seinen Lebensverrichtungen, Arbeiten und Pflichten der gleiche, er bleibt unter Umständen in seinen Gewohnheiten zuhause und verändert sein Leben nicht nach alternativen Grundsätzen, die einen östlichen oder weltanschaulichen Akzent tragen. Er wird nur einmal stärker und stabiler in seinem Seelenleben, das ihm in der Begegnung nach außen größere Freiheiten gewährt. Der Übende wird auch sich selbst gegenüber freier und kann kleinliche Sorgen, Ängste und Abhängigkeiten mehr als relative Begebenheiten des Daseins erkennen. Die Freiheit, die auf dem Entwicklungspfad entsteht, ist deshalb nicht von einer äußeren Natur, sie beruht auf der Beweglichkeit und Dynamik des Denkens, Fühlens und des Willens, die zu objektiven Seeleninstrumenten werden und von einem lichthaften Geist durchdrungen und bereichert werden. Ein neues und größeres Bewusstsein kommt zu dem bisherigen
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